Borkenkäfer – die ‘Aasgeier’ der Wälder

Kein Insekt wird von Forstfachleuten so gefürchtet wie der Borkenkäfer. Sein massenhaftes Auftreten richtet seit Jahren periodisch riesige Schäden in den mitteleuropäischen Wäldern an. Die Tatsache, dass solch flächendeckende Käferinvasionen in früheren Jahrhunderten ganz offenbar nicht erfolgt sind, wirft einige Fragen zur modernen Waldbewirtschaftung auf.

 

Die typischen Gänge (Rammelkammern) der Borkenkäfer. Bild: Wikipedia

Die typischen Gänge (Rammelkammern) der Borkenkäfer. Bild: Wikipedia

Die Borkenkäfer (Scolytinae) bezeichnet eine Unterfamilie der Rüsselkäfer (Curculionidae). In Europa gibt es etwa 154, weltweit 4.000 bis 5.000 Arten. Das Unterscheidungskriterium innerhalb der Käferfamilie ist ihre Art der Brutablage. Rindenbrüter oder Holzbrüter – das ist die Frage. Die Larven der Rindenbrüter ernähren sich von den saftführenden Schichten des Baumes in der Rinde (Bastgewebe). Da diese Schicht die Lebensader des Baumes darstellt, führt der Befall meist zu dessen Absterben.

Wenn der Buchdrucker den Wald verwüstet

Die Borkenkäfer mit ihren klingenden Namen wie Buchdrucker oder Kupferstecher spielen normalerweise eine wichtige Rolle im Ökosystem Wald. Sie spielen den ‘Aasgeier’, nisten in abgestorbenen Bäumen und verarbeiten diese quasi an Ort und Stelle. Einem gesunden, lebenden Baum können Borkenkäfer kaum etwas anhaben: Die Fichte wehrt sich zum Beispiel durch ihren Harzausstoß gegen die Käfer. Geschwächte Bäume hingegen werden von einzelnen Arten angegriffen und zum Absterben gebracht. Was jedoch wiederum Platz für eine Neubesiedelung durch andere Bäume schafft.

In höheren Lagen sind diese Fichtenwälder mit Mischwald durchsetzt, der Borkenkäfer ist zwar vorhanden, tritt aber nicht epidemisch auf. Durch die Aufforstungsmaßnahmen nach dem Krieg wurden jedoch Fichten-Monokulturen gepflanzt, die sich jetzt als ideales Biotip für ein massenhaftes Auftreten der Borkenkäfer herausstellen. Forstwirte bezeichnen die Jahre 1994/95, 1999, 2003/2004 als Katastrophenjahre.

Borkenkäfer als Aasgeier der Wälder: Schadholz wird von ihnen wieder verwertbar gemacht.

Borkenkäfer als Aasgeier der Wälder: Schadholz wird von ihnen ökologisch aufbereitet.

Besonders gefährlich sind jene Jahre, in denen Wälder durch Stürme schaden erleiden. Wenn das Schadholz in Massen anfällt, vermehrt sich der Borkenkäfer explosionsartig. Und wenn dann aufgrund milder Frühlings-Temperaturen im Sommer 2 Generationen der Käfer nachwachsen, ist mit riesigen Schäden zu rechnen. Allein: eine Ausrottung der Käfer auch auf begrenztem Gebiet ist nicht möglich. Wenn man bedenkt, dass 50.000 bis 100.000 Männchen und Weibchen an einer mittelgroßen Fichte nicht unrealistisch sind, erkennt man diesen schier hoffnungslosen Kampf gegen die Invasoren.

Was viele von uns sicher schon einmal gesehen haben: Entrindetes Rundholz, das mit Wasser bespritzt wird. Das ist eine Möglichkeit, eine weitere Vermehrung und Verbreitung der Käfer einzudämmen. Auch durch Verbrennen der Rinde und der Baumwipfel an Ort und Stelle erscheint wirkungsvoll. Sofern dies erlaubt ist. Ansonsten muss das Holz aus dem Wald gebracht werden. Lockstofffallen sind allenfalls nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Borkenkäferbekämpfung ist teuer

Die riesigen Kosten der Käferbekämpfung hat auch zu einem Umdenken bei der Aufforstung geführt. Man bei der Waldbewirtschaftung vermehrt jenen Weg, den die Natur von sich aus geht: Mischwälder sind ein guter Schutz gegen Käferinvasionen. Das belegen die bisherigen Erfahrungen eindrucksvoll. Es gibt aber auch noch eine schlechte Meldung: durch die Klimaveränderung und das Ansteigen der Durchschnittstemperaturen wird es auch weiterhin zu Invasionen und den damit verbundenen riesigen Schäden in Wald und Forst kommen.

Obwohl auch alpine Wälder von den Invasionen nicht ausgenommen sind: Das beste Fichtenholz wächst dennoch in den weniger betroffenen mittleren und höheren alpinen Lagen. Für die Möbelproduktion besonders begehrt ist das ‘engringige’ Holz, ähnlich der nordischen Fichte. Eng aneinander liegende Jahresringe bedeuten gute Qualität. Und genau die bieten wir natürlich auch in unserem Online-Shop an.