Das Schaukelpferd „Sorel“ oder: Wer zu spät kommt…

Das wäre es gewesen und wieder einmal bekommt das Zitat, das man Michail Gorbatschow zuschreibt eine neue Bedeutung: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Dieser Satz war mir schon so oft in meinem Leben durch den Kopf gegangen, dass man das Gefühl haben könnte, ich wäre notorisch vom Leben benachteiligt. Der Punkt ist aber meistens: Es ist lediglich ein subjektives Empfinden, das mehr über mich aussagt als über die tatsächliche Situation. Oder, anders und präziser ausgedrückt: Die Situation ist immer so, wie man sie sich in seinem Kopf ausmalt. Das hat, soweit ich mich erinnern konnte, etwas mit Konstruktivismus zu tun.

Was tut man, wenn man nicht will, dass einen das Leben bestraft?

Was tut man, wenn man nicht will, dass einen das Leben bestraft?

Man könnte auch sagen: Die Welt ist so, wie wir sie uns zurechtlegen und konstruieren. Und wer glaubt, dass er vom Leben ständig benachteiligt wird, der wartet geradezu darauf, vom Leben benachteiligt zu werden bzw. die anstehende Situation auf ebendiese Weise zu interpretieren. Man lese dazu nur das wunderschöne Büchlein „Anleitung zum Unglücklichsein“.

Doch in diesem konkreten Fall hier verhielt sich die Situation anders, ich hatte ganz einfach den richtigen Zeitpunkt verpasst: Das Gewinnspiel, das 4BetterDays zusammen mit der  „Wummelkiste“ ins Leben rief, war ein für allemal Geschichte. Kein Schaukelpferd „Sorel“ war gewonnen worden – zumindest nicht von mir. Der Gewinner bzw. die Gewinnerin war schon bekannt gegeben worden und das Leben hatte mich, wieder mal, bestraft.

Das Schaukelpferd "Sorel" hat einen glücklichen Gewinner gefunden...

Das Schaukelpferd “Sorel” hat einen glücklichen Gewinner gefunden…

Das Schaukelpferd “Sorel” und meine kreative Ordnung…

Noch schlimmer war in diesem Fall dieses Versäumnis, als dass unsere Jüngste gerade ins „Schaukelalter“ kam. Und was das für mich hieß, war klar. Vor einiger Zeit, einigen Jahren besser gesagt, war das Schaukelpferd fein säuberlich im Dachboden verstaut worden, nachdem unsere Ältere keine Verwendung mehr dafür hatte.

Und, sagen wir es mal so: Die Ordnung, die sich bei uns am Dachboden etabliert hatte konnte als „kreativ“ bezeichnet werden. Oder auch mit dem Spruch legimitiert werden, dass, wer Ordnung brauche, zu faul zum Suchen sei. Was aber, wenn man keine Ordnung hat und zu faul zum Suchen ist? Was, wenn man weiß, dass es kein System gibt und man somit dem Zufall eine (zu) tragende Rolle bei der Suche zuweisen musste? Für mich hieß das jedenfalls demnächst: Ab auf den Dachboden und mit einer Ordnung leben, die keine Ordnung mehr war. Und suchen, suchen, suchen…

Wie schön wäre es gewesen, wenn ich bzw. wir das Schaukelpferd „Sorel“ gewonnen hätten. Es hätte mir sehr viel Zeit und Ärger gespart. Und ein Gewinn hätte meinen Zugang zur Welt und zur Interpretation ebendieser maßgeblich verändert. Ich hätte mich nicht mehr als benachteiligt erfahren, sondern als begünstigt, als glücklichen Menschen. Man muss sich den Gewinner oder auch die Gewinnerin von „Sorel“ dem Schaukelpferd als glücklichen Menschen vorstellen, da war ich mir ganz sicher. Kein Wunder, denn in diesem Fall wurde das Pferd zugeschickt und man musste nicht auf unserem Dachboden danach suchen. Postweg steht Chaos.

Und ich bin mir außerdem sicher, dass die beruhigende Wirkung der Zirbe einen positiven Einfluss auf unsere Kleine gehabt hätte, die, naja sagen wir es mal so, manchmal ein wenig temperamentvoll ist. Das wäre mit dem Schaukelpferd “Sorel” sicherlich anders…

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