Schwäbische Kehrwoche: Die neuen Kultgegenstände

Endlich. Jetzt können alle Schwaben entspannt aufatmen. Der intelligenteste ,Kehrwochen-Set‘ seit Erfindung der schwäbischen Kehrwoche ist erhältlich.

Der Kehr-Set, der auch den strengsten schwäbischen Spar-, Design- und Sauberkeitsvorstellungen gerecht wird, ist eine echte Revolution:

  • Ein Handbesen, der im Handumdrehen zum ,Großen Besen‘ avanciert;
  • Eine Schaufel – Marke ‘Vollretro’ – aus poliertem und gehämmertem Metall ist Sinnbild für glänzende, ja strahlende Sauberkeit;
  • Das Set ist aus massivem Eschenholz gefertigt und das sogar in einer gemeinnützigen Werkstatt.
Schon die 7 Schwaben führten einen Schrubber mit. Dass wir den Spieß umdrehen und aus ihm einen Besenstiel machen ist die eigentliche Revolution.

Schon die 7 Schwaben führten einen Schrubber mit. Dass wir den Spieß umdrehen und aus ihm einen Besenstiel machen ist die eigentliche Revolution.

Wer nun vermutet, der Spieß der 7 Schwaben (im Bild) sei bei der Idee des revolutionären Kehrwochen – Sets Pate gestanden hat nicht unrecht. Denn, wie im Bild deutlich erkennbar, die sieben wackeren Schwaben führten bereits einen Schrubber mit sich. Dass der verwendete Spieß später die Rolle des Besenstiels angenommen hat kann nicht von der Hand gewiesen werden. So konnte der organisierte Großputz, die wöchentliche Vernichtung von Staub und anderem Kehrricht im Schwabenland fröhliche Urständ feiern. Mehr noch: Die legendäre Kehrwoche wurde quasi in den schwäbischen Verfassungsrang erhoben.

In Wien sagt man: das 'Bummerl' haben. Im Schwabenland heißt dies 'Kehrwoche'.

In Wien sagt man: das ‘Bummerl’ haben. Im Schwabenland heißt dies ‘Kehrwoche’.

Dieser landesweit – nur im Schwabenland – organisierte Großputz wurde, das steht fest, schon früh von oben befohlen. So stand im Stuttgarter Stadtrecht von 1492: “Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Wochen hinausführen, (…) jeder seinen Winkel alle vierzehn Tage, doch nur bei Nacht, sauber ausräumen lassen und an der Straße nie einen anlegen. Wer kein eigenes Sprechhaus (WC) hat, muss den Unrath jede Nacht an den Bach tragen”. (zitiert nach ‘Schwäbisch Schwätza’).

Seit Jahrhunderten wird deshalb im ‘saubera Ländle’ dem Putzen und Kehren viel, ja geradezu fanatische Aufmerksamkeit gewidmet. Besen und Schaufel sind die geheiligten Kultgegenstände des wöchentlich ausschließlich am Samstag stattfindenden Hochamtes namens ,Kehrwoche‘.

Kehrbesen SetGekehrt wird nicht nur die eigene Wohnung, vor der eigenen Tür oder im eigenen Stiegenhaus. Nein, das würde einem ordentlichen Schwaben die Schamesröte ins Gesicht treiben. Mehr noch: er würde aus Scham im Boden versinken. Gekehrt werden natürlich auch Gehsteige, der Hof und manchmal – in besonders kehrintensiven Gebieten – auch die Fahrstraße.

Die Kehrwoche der Schwaben birgt meist auch das Potential für teils heftige kehrbesenset-detail1Auseinandersetzungen zwischen schwäbischen Migranten innerhalb Deutschlands und den preussischen Eingeborenen. Vornehmlich in Berlin prallen die Lebens- und Putzentwürfe ungebremst aufeinander. Der Soziologie Professor Hartmut Häusermann feurig: „Schwaben fliehen vor der Kehrwoche und der Enge ihrer Heimat und suchen in Berlin buchstäblich das Weite“. Und dort würden sie ihre Schlauheit zulasten der Eingeborenen Preussen einsetzen. Das reiche von windigen kehrbesenset-det3Immobiliengeschäften der Schwaben bis zur Sanierung alter Häuser und der nachfolgend dekretierten Mieterhöhung samt Kehrordnung.

Eine Tatsache bleibt umstritten und wird in Deutschland immer noch heftig diskutiert: Ob der Standardsatz “etwas unter den Teppich kehren” seinen Ursprung ebenfalls im Schwäbischen hat. Angeblich wollen die Berliner demnächst den Wahrheitsbeweis dafür antreten.

 

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