Ein Sekretär für alle Fälle

Sekretär zu sein ist nicht nur ein Berufsbild. Unter Sekretär versteht man auch ein Möbelstück, das einem Schreibtisch ähnelt. So bin ich jedenfalls wieder mal ein paar Grade schlauer geworden, als ich kürzlich wieder mal Wikipedia durchforstet habe. Leider, wie sich herausstellte, zwar mit dem richtigen Laptop aber auf der vollkommen unpassenden und somit auch falschen Arbeitsfläche.

Manchmal merkt man erst, was für ein falsches Leben man eigentlich führt. Hatte das etwa der gute alte Theodor Wiesengrund Adorno gemeint, als er davon sprach, dass es kein richtiges Leben im falschen gäbe? Wer weiß das schon so genau. Ich habe Adorno nie ganz verstanden. Meine späte Rache: Er muss sich jetzt hier zwischen Sekretären, Möbeln und anderem einreihen und wohl fühlen. Das hat er jetzt davon.

Doch zur Sache Schätzchen und endlich auch, in medias res quasi, zu des Pudel´s Kern. Es geht um mich, mein Leben, die Sinnhaftigkeit ebendieses und einen Sekretär, der hier bitte explizit als Möbelstück verstanden werden sollte. Als mittlerweile Selbstständiger, der sein Leben damit verbringt und zubringt, Texte zu schreiben, habe ich bisher gedacht, mein kleines Büro sei perfekt. Doch weit gefehlt.

Im Notfall, wenn man des kleinen Raums bzw. Büros mal überdrüssig sein sollte, so dachte ich zumindest bislang, packt man seinen Laptop und setzt sich an den Küchentisch oder sonst wo hin. Zwar mit Folgen wie Kreuzweh oder ähnlichem, aber immerhin mit dem Schein von Freiheit. Mittlerweile wusste ich, dass es eine Scheinfreiheit gewesen war. Ganz einfach, weil ich kürzlich IHN sah – aber bitte macht euch selbst ein Bild…

Der Sekretär, den man eigentlich Kleinbüro nennen muss: Ain´t he sweet?

Der Sekretär, den man eigentlich Kleinbüro nennen muss: Ain´t he sweet?

Ein Sekretär sie nicht mehr zu knechten… 

Jetzt mal ehrlich: Ist er nicht wunderbar und vor allem wunderbar praktisch und auch noch schön dazu? Endlich hatte ich etwas gefunden, das einigen meiner Eigenschaften und Schwächen Herr werden könnte: Meinem Hang zur Unordnung (die nach Erwerb dieses Kleinbüros der Vergangenheit angehören würde) und mein unbändiger Drang flexibel zu sein und beweglich zu bleiben. Beweglich war dabei in jeder Hinsicht zu verstehen: Ich konnte mich nicht wirklich auf eine Tätigkeit und einen Arbeitgeber einigen, daher wohl auch meine Arbeit als Freiberufler. Ich konnte mich auch immer weniger damit anfreunden, immer nur in meinem eigenen Büro zu sitzen. Er kam wie gerufen.

Das Büro der Zukunft musste für mich verschiebbar und beweglich sein, ebenso wie ich meine Gedanken beweglich halten wollte. Kurzum: Wir, der Sekretär und ich, waren wie füreinander geschaffen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und ich bin sicher, dass es beim ersten Mausklick, ausgeführt auf und mit meinem neuen Kleinbüro, noch ein paar mal „Klick“ machen würde. Oder auch „zoom“. Eines war jedenfalls klar: Es würde fürs Leben sein, für immer. Vorbei war es mit der Knechtschaft, immer nur an einem Ort sitzen zu müssen. Terrasse, Balkon, Wohnzimmer usw. – ich komme!

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