Vom Respekt, ganz allgemein

"Respect Yourself", Staple Singers 1971 (Foto: Modlik)

“Respect Yourself”, Staple Singers 1971 (Foto: Modlik)

Da schleift einer ein sterbendes Tier über grobes Geröll. An den Hinterbeinen. Dort ersticht einer seine Ehefrau. Vor den Augen ihrer Kinder. Und hier schreit einer: “Wählt mich oder das Elend!” Der   Respekt vor den anderen hat es schwer heutzutage.

Nun, ganz so schlimm wie es uns die Medien suggerieren, ist es auch wieder nicht: Es gibt noch anständige Jäger, es gibt Männer, die mit Ihren Ehefrauen kultiviert streiten und es gibt Politiker, denen das Gespräch wichtiger ist als das Geschrei. Und trotzdem verspüren wir alle eine Sehnsucht nach – ja nach was denn?

 Es geht nicht ums Bravsein

Es geht auch nicht darum, als Gänseblümchenliebhaber und Mitmenschenversteher durch den Alltag zu schlurfen. Es geht ganz einfach darum, anderen Menschen gegenüber mit Respekt entgegenzutreten. Und damit auch sich selbst. Diese Grundhaltung ist ziemlich einfach umzusetzen: Eine Sekunde, bevor wir etwas sagen oder etwas tun, sollten wir darüber nachdenken, was wir da eigentlich sagen oder machen wollen. Diese eine Sekunde genügt meistens, um den Großteil des Lebens mit Respekt für sich und die anderen Menschen zu führen.

Wir verdienen Respekt

Respekt verdienen wir uns nicht nur mit großartigen Bergbesteigungen, Fallschirmsprüngen oder 10 großen Bier in einer Stunde. Respekt verdient eigentlich jeder von uns, ganz egal wer wir sind oder was wir tun: Wir, verdienen Respekt, wo wir und wie wir leben.

Und hier kommt das regionale Gesicht des Respekts zum Vorschein: Was in unserer näheren oder ferneren Umgebung geschieht, ist in keiner Weiser schlechter, uncooler oder veralteter als das, was von jenseits der großen Meere zu uns herüberschwappt: Ein Stuhl, vom einheimischen Tischler gefertigt, kann mindestens gleich viel wie das von verarmten Lohnsklaven aus minderwertigem Holz zusammengeleimte Pendant aus dem Turborabattsuperbilligmöbelhaus.

 Und jetzt alle: Respekt!

“Respect yourself” – das riefen uns die Staple Singers vor vielen, vielen Jahren aus dem Küchenradio entgegen. Und genau darum geht es: Respekt ist letztlich immer auch Respekt für sich selber. Und wir selber sind untrennbar mit unserer Umgebung, mit dem Grätzel, dem Bundesland, der Europaregion, in der wir leben, verbunden. Es wird an der Zeit, das wir auch in der Öffentlichkeit vermehrt darauf hinweisen, dass es diese ganz, ganz einfache Formel des Zusammenlebens gibt, die uns unsere Freiheit bewahrt, die uns aber zugleich viel Stress, Sorgen und Anstrengungen erspart: Wir müssen uns nicht alle lieb haben, aber wir müssen uns so respektieren, wie wir sind. Das reicht fürs Zusammenleben. Bier trinken und schmusen müssen Sie ja nicht mit jeder (auch nicht mit jedem). Amen.